Interview
Biographie
Eduardos Gitarrenbaukunst wurzelt fest in der traditionellen spanischen Schule und ehrt die großen Meister der Vergangenheit. Gleichzeitig lässt er seine eigenen Wurzeln und seine Kultur – sowohl europäische als auch amerikanische – einfließen, um seinen Gitarren eine einzigartige und authentische Identität zu verleihen. Dies zeigt sich in den originellen ästhetischen Details, allen voran in seinen Rosetten, die dabei stets elegant und zurückhaltend wirken. Seine Rosetten sind eine Hommage an die traditionelle Flechtkunst der Zenú-Kultur in der kolumbianischen Karibik – Eduardos Geburtsland. Diese Handarbeiten werden von erfahrenen Kunsthandwerkern aus schwarzen und weißen Strohfasern gefertigt, um präkolumbianische Hirtenmotive darzustellen, und sind zu einem nationalen Symbol Kolumbiens geworden (siehe Foto).
Die Gitarren werden traditionell gebaut; dennoch verwendet er eigene Designs und Verstrebungsmuster, um ihnen einen einzigartigen Klang zu verleihen. Diese Gitarren zeichnen sich durch große Kraft und Projektion aus; ein tiefer und kontrollierter Bassbereich trifft auf einen vollen, singenden Höhenbereich mit überraschend langem Sustain. Gleichzeitig sind sie leicht zu spielen, bemerkenswert komfortabel und benutzerfreundlich. Fortgeschrittene Gitarristen werden feststellen, dass die breite Palette an Klangfarben, der großzügige und dynamische Umfang sowie die außergewöhnlich gleichmäßige Ansprache über alle Saiten in Bezug auf Lautstärke, Klangfarbe und Sustain ihnen die nötige Freiheit für ihre musikalische Gestaltung bieten, insbesondere für klassische Musikstile von der Alten Musik über die Renaissance bis hin zur modernen zeitgenössischen Musik.
Von Eduardo Bossa:
Wie kommt es, dass ein Chemieingenieur mit jahrelanger Erfahrung in Ingenieurprojekten Gitarrenbauer wird? Zwei unterschiedliche Persönlichkeitsanteile stehen manchmal im Widerspruch zueinander. Da ist zum einen die rationale und strukturierte Seite, zum anderen die intuitive, kreative und künstlerische. Wie kann ich also einen Beruf wählen, der beide Aspekte meiner Persönlichkeit vereint? Ich wurde Ingenieur, aber dort gibt es wenig Raum für künstlerische Freiheit. Ich habe auch jahrelang klassische Gitarre gespielt, aber meine rationale Seite stand mir immer wieder im Weg. Als junger Gitarrist war ich stets fasziniert von den Geheimnissen einer Gitarre. Als Ingenieur wollte ich wissen, wie sie funktioniert, warum sie so konstruiert ist, wie sie ist, und wie sich Änderungen an ihrer Konstruktion auf das Endergebnis auswirken. Als Künstler war ich gefesselt von der Schönheit ihrer Klänge, dem ästhetischen Reiz des Instruments selbst und der puren Musikalität des gesamten Instruments. Ich studierte jede Gitarre, die ich in die Finger bekam, hörte zu, beobachtete. Ich las alles, was ich über Gitarrenbau finden konnte. Ich hätte nie gedacht, dass ich selbst eine Gitarre bauen könnte. Eines Tages traf ich den Gitarrenbaumeister Alberto Paredes, der mir ganz ruhig und sachlich erklärte, dass ich Gitarren bauen könnte, ich müsse nur hart dafür arbeiten. Also baute ich zusammen mit ihm meine erste Gitarre. Und plötzlich merkte ich, dass meine rationale und meine künstlerische Seite nicht länger im Widerspruch zueinander standen, sondern zusammenarbeiteten, um meine Ziele im Gitarrenbau zu erreichen. An diesem Tag fand ich meine Berufung und beschloss, mein Leben dem Bau bestmöglicher Gitarren zu widmen. Seit 2014 baue ich in meiner Werkstatt in Cartagena, Kolumbien, Gitarren und kombiniere dabei traditionelle und moderne Methoden, um wunderschöne Instrumente für heutige Musiker anzubieten.
Nach jahrelanger Arbeit an seinem Handwerk wurde Eduardo Bossa beim renommierten siebten Antonio Marin Montero Gitarrenbauwettbewerb, der im Juli/August 2024 in Granada, Spanien, stattfand, mit dem zweiten Preis für seine klassische Gitarre ausgezeichnet.
